Böhmi spielt: Villen des Wahnsinns

Titel Mansions of Madness: Second Edition
Erscheinungsjahr 2016
Spieler 1 - 5
Spielzeit 180 Minuten
Spielmechanik(en) Area Movement
Cooperative Play
Dice Rolling
Hand Management
Modular Board
Partnerships
Role Playing
Variable Player Powers

Irgendetwas ist faul in Arkham! Du und dein Ermittlerteam werden in eine Villa gerufen, weil dort seltsame Dinge vor sich gehen und ihr sollt herausfinden, was.
Ich habe mich mal wieder zu einer Solo-Partie “Villen des Wahnsinns” hinreißen lassen. Das Spiel ist im Universum von H.P. Lovecraft, dem Großmeister der Horrorliteratur des 20. Jahrhunderts, angesiedelt. Jeder Horror-Fan kommt um diesen Namen nicht herum, ist es doch Lovecraft, der einst den Cthulhu-Mythos erschaffen hat, der auch heute noch in aktueller Horror-Literatur zu finden ist.

“Villen des Wahninns” ist ein kooperatives Brettspiel im Stile eines Dungeon-Crawlers. Doch wird hierbei kein Dungeon-Master mehr wie bei klassischen Pen&Papers benötigt, sondern das gesamte Spielgeschehen wird von einer App gesteuert. Diese gibt den Aufbau, die Monster, Eregnisse, Personen etc. vor und die Spieler folgen des Anweisungen dann auf dem tatsächlichen Spielbrett.

Man möchte jetzt meinen, dass die App lediglich eine Alternative zum Spielleiter darstellt, das ist aber nicht der Fall. Ohne App ist die zweite Edition des Spiels überhaupt nicht spielbar. Und das Ganze funktioniert überaus gut. Alles wird hier gesteuert: Kämpfe, Rästel, Entscheidungen und so weiter. Auch skaliert die App den Schwierigkeitsgrad anhand der Anzahl der Ermittler, die am Abenteuer teilnehmen extrem gut. So wird es nie zu schwierig oder zu leicht, sich durch das Szenario zu kämpfen.

Zu Beginn des Abenteuers werden aus einer Reihe von Ermittlern ausgewählt. Jeder Ermittler hat dabei besondere Fähigkeiten, die er oder sie nutzen kann. Auch werden die Spieler-Stats vorgegeben, daher entfällt auch ein aufwändiges Erstellen der Charaktere. Am Abenteuer nehmen mindestens zwei Ermittler teil (auch beim Solo-Spiel), was an sich erst mal keine Auswirkungen auf das Spiel selbst hat. Dennoch können manche Enden der Szenarien kaum oder nur sehr schwierig durch eine geringere Anzahl an Spielern erreicht werden. Doch die meisten Szenarien haben mehrere Enden, so dass sowohl Solo- als auch Gruppenpartien interessant bleiben.

Jeder Ermittler hat zwei Grundwerte: körperliche und geistige Gesundheit. Fällt erstere auf Null, so ist der Charakter verletzt und muss fortan mit Einschränkungen weiterspielen. Wenn die geistige Gesundheit auf Null steht, so wird der Ermittler wahnsinnig und es ändern sich eventuell die Siegbedingungen. Fallen die Werte ein zweites Mall auf Null, so ist das Spiel nach zwei weiteren Runden vorbei und das Spiel gewinnt.

Jede Spielrunde besteht aus zwei Phasen: Der Ermittlerphase, in der die Spieler Räume erkunden, Gegenstände benutzen oder freiwillig gegen Monster kämpfen können. Die zweite Phase ist die Mythosphase. Die App wählt hierbei zufällige Ereignisse aus, die die Spieler treffen. Das kann das Erscheinen eines Monsters sein, eine Änderung des Spielplans, Feuer und so weiter, auf die die Spieler entsprechend reagieren müssen.

Durch das Erkunden von Räumen wird der Spielplan vergrößert und neue Areale werden sichtbar. Diese können Monster, Gegenstände oder Hinweise enthalten, die den Fall aufklären sollen.

Bei dem von mir ausgewählten Szenario entstand erst einmal der Spielplan auf dem oberen linken Bild. Durch ein Ereignis wurde jedoch der gesamte Spielplan verworfen und neu aufgebaut (Bild oben rechts).

Ereignisse und Kämpfe werden durch Würfeln bestritten. Auf den Ermittlerkarten sind verschiedene Werte angegeben, die die Anzahl der zu verwendeten Würfeln angibt. Beispielsweise kann die Untersuchung eines Wandschranks durch eine Stärkeprobe erfolgen. Es werden die entsprechende Anzahl an Würfeln gerollt und die Erfolgssymbole (Pentagramme) gezählt. Entweder die Anzahl reicht aus, oder nicht.
Diese Anzahl kann durch Gegenstände oder Statuskarten erhöht oder verringert werden. Auch Kämpfe gegen Monster werden mit den Würfeln entschieden.

Was macht “Villen des Wahnsinns” jetzt so besonders? Zum Einen verzichtet das Spiel auf komplexe Spielmechaniken. Natürlich gibt es ein umfangreiches Regelbuch und ein Referenzhandbuch, die einem mit den Grundregeln vertraut machen. Das Referenzhandbuch ist eine Art Glossar, um während des Spiels schnell an die benötigten Infos heranzukommen. Bei den ersten beiden Partien ist man hauptsächlich mit Regelstudium und Querlesen beschäftigt, aber ab der dritten Partie habe ich nur hier und da einmal ins Referenzbuch schielen müssen, da die Abläufe und Eigenheiten relativ schnell in Fleisch und Blut übergehen. Man findet sehr schnell in das Spiel hinein und man kann sich voll und ganz der Atmosphäre des Spiels hingeben.

Und die ist absolute Spitzenklasse!
Man ist vom ersten Moment an gefesselt von der Story und man findet sich voll und ganz in Lovecrafts Universum wieder. Man weiß, dass um jede Ecke das Böse lauert, wenn auch (noch) nicht sichtbar. Während der ganzen Partie sucht man nach Hinweisen, die zum Auflösen des Falls benötigt werden und bekommt so Stück für Stück das Puzzle zusammengesetzt. Aber: je länger das Spiel dauert, desto stetiger steigt auch der Schwierigkeitsgrad. Hält man sich zu lange mit Nachforschen auf, so macht einem das Spiel bald mächtig Beine und so kann es passieren, dass man es am Ende nur ganz knapp schafft, das Rätsel zu lösen und zu entkommen. Bei unserer Flucht aus Innsmouth hat es der letzte möglich Würfelwurf entschieden.

Zum Anderen ist die Unterstützung der App hervorragend. Man braucht keinen Spielleiter mehr und man kann das Spiel mit allen Mitspielern kooperativ oder eben auch solo spielen. Zudem sind die Szenarien wirklich schön gescriptet und laufen teils auch unterschiedlich (je nach den getroffenen Entscheidungen) anders ab bzw. haben einen anderen Aufbau des Spielplans. Somit ist der Wiederspielwert enorm hoch.

Das Basisspiel enthält 4 unterschiedliche Szenarien und verschiedenen Schwierigkeitsgraden und Längen. So dauert das Einstiegszenario ungefähr 1,5 Stunden und hat den Schwierigkeitsgrad 1 von 5. Flucht aus Innsmouth dagegen hat die Schwierigkeit 4 und wir haben knapp 4 Stunden gebraucht. Es geht aber auch noch länger und schwieriger. Es gibt bereits mehrere Erweiterungen mit mehr Figuren, Monster, Spielplanteilen und Szenarien, es werden aber auch Szenarien als DLCs zum Kauf, die mit 5€ pro Szenario nicht wirklich teuer sind und nochmal jeweils 3-5 Stunden dauern.

Mit knapp 100€ für das Basisspiel und 30-60€ für pro Erweiterung ist “Villen des Wahnsinn” nicht gerade ein Schnäppchen, aber durchaus seinen Preis wert. Das Spielmaterial ist äußerst wertig. Die Spielkarten sind aus etwas dickerem Papier, so dass diese nicht so schnell verschleißen. Die Spielplanteile sind aus dicker Pappe und schön bedruckt, ebenso die Marker, die auf dem Spielplan verteilt werden.
Lediglich sind die Monster und Ermittlerfiguren aus billig anmutendem Plastik und müssen erst einmal auf die Basen geklebt werden, was sich durch unssauber vorgebohrte Löcher als ziemliche Fummelei entpuppt. Auch ist das grau nicht sonderlich hübsch, aber man kann die Figuren ja auch bemalen, wenn man Lust hat 🙂

Auch ist die Anschaffung von Geekboxen ratsam, um die verschiedenen Spielmarker besser verstauen und das Spiel schneller aufbauen zu können.

Ich werde mich in jedem Fall noch öfters in die “Villen des Wahnsinns” begeben, um mich dem unsagbaren Horror entgegenzustellen!

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